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Afghanische Olympiateilnehmer zu Gast beim ATC Cologne
 
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17.06.2005 

 

Internationales IAAF-Trainingszentrum für Leichtathletik an der Deutschen Sporthochschule Köln bereitet afghanische Sportler auf die Weltmeisterschaften vor
 

 
oben: Abdul Karim Azzizi (Coach), Jan Alam Hssani (President of Afghanistan Athletic Federation), Abdul Khalil Baig (General Secretary IAAF), Norbert Stein (ATC Cologne). Unten: Fatima Mohammadi (Olympiateilnehmerin Athen 2004, Massoud Azizi (Sprinter)  und Robina Mugimyar (Olympiateilnehmerin Athen 2004)  

Schon des Öfteren konnte das vom Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF akkreditierte Trainingszentrum an der Deutschen Sporthochschule Köln (ATC Cologne) illustre Gäste aus aller Welt empfangen und mit modernsten Trainingsmethoden auf bestimmte Wettkampfhöhepunkte des jeweils laufenden Jahres vorbereiten. Diesmal ist es eine afghanische Delegation, die den weiten Weg in die Domstadt am Rhein gefunden hat.
 

Angeführt vom Präsidenten des afghanischen Leichtathletik-Verbandes und seinem Generalsekretär haben seit einigen Tagen ein junger Mann und zwei ebenso junge Sportlerinnen ihre Zelte an der weltweit renommierten Sportuniversität aufgeschlagen. Sie kommen alle drei aus dem Sprintbereich und gelten als hoffnungsvolle Talente ihres Heimatlandes. Zwei von ihnen, Massoud Azizi und Robina Mugimyar, konnten im letzten Jahr bereits internationale Erfahrungen sammeln durch ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen. Besonders der Olympiastart von Robina Mugimyar hat seinerzeit ein hohes mediales Interesse hervorgerufen, da leistungssportliche Aktivitäten von Frauen, zumal in für uns gewohnter Sportbekleidung, im afghanischen Gesellschaftssystem sehr kontrovers gesehen werden.
 

Die Einladung nach Köln erfolgte durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und konnte durch die Unterstützung des Auswärtigen Amtes in Berlin realisiert werden. Georg Kemper, Generalsekretär des DLV, sieht in diesen Maßnahmen daher auch die ausgezeichnete Möglichkeit zur Mithilfe bei der Reorganisation des Leistungssports in Afghanistan. Dr. Norbert Stein, Direktor des ATC Cologne, holte die Gäste persönlich am Frankfurter Flughafen ab und sorgt seitdem vor Ort für die entsprechenden Rahmenbedingungen, damit sich die jungen Athleten in der doch ungewohnten Umgebung wohl fühlen. Schnell waren die Sportler eingebunden in das auf effiziente Leistungssteigerung ausgerichtete Trainingssystem in Köln, das auf eine für diese Zwecke hervorragend geeignete  Infrastruktur an der Sporthochschule zurück greifen kann. Ein mitgereister afghanischer Nationaltrainer, früher erfolgreichster Sprinter seines Landes, nutzt den Aufenthalt, um Henning Heinrichs, der die sportliche Betreuung der Gruppe übernommen hat, täglich zweimal über die Schulter zu schauen und wertvolle Erkenntnisse mit nach Hause zu nehmen. Heinrichs selbst hat als Absolvent der Sporthochschule seine Meriten bereits verdient als erfolgreicher Nachwuchstrainer im Mehrkampf.


"Wir sehen hier ein typisches Beispiel für die Zielstellung unseres Trainingszentrums", sagt Norbert Stein. "Unser Auftrag ist die gezielte Förderung der Nachwuchsathleten im Spitzenbereich derjenigen Länder, die nicht über ausreichende Trainingsbedingungen verfügen, um international mithalten zu können. Selbst Kurzzeitmaßnahmen wie diese hier - die afghanische Delegation bleibt rund drei Wochen in Köln - machen Sinn. Sie erfüllen die Nachfrage kleinerer nationaler Verbände, ihre Athleten unter optimalen Bedingungen auf internationale Wettkampfhöhepunkte vorbereiten zu lassen. Der Aspekt des Lernens steht dabei im Vordergrund", betont der Leiter des Trainingszentrums.





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Autor und Copyright: Sabine Maas